Die Republik war dem Namen nach eine "öffentliche Sache". Die Macht sollte in den Händen des römischen Volkes liegen. Jahrhundertelang hatte dieses politische Konstrukt mehr oder weniger funktioniert. Steinerne Zeugen der Ausübung dieser Macht finden sich heute noch (Forum Romanum und Comitium - Latium - Rom). Doch im ersten Jahrundert vor der Zeitenwende lenkten einige wenige die Geschicke der Republik, finanzielle und militärische Macht waren entscheidend. Ein Bürgerkrieg (eigentlich eher ein Machtkampf zwischen dem früheren Volkstribun und Konsul Marius sowie dem Feldherrn Sulla) war gerade überstanden, ein nächster konnte jederzeit aufflammen.
Gaius Julius Caesar, ein Feldherr mit großen politischen Ambitionen und klarem, berechnendem Verstand, nutzte die Unklarheit der Verhältnisse aus. Nachdem er Gallien erobert hatte, überschritt er, nicht wie üblich mit kleinem Gefolge, sondern mit seinen Truppen, den Grenzfluss Rubicon - ein klarer Affront gegen die Republik, der nur militärisch beantwortet werden konnte. Aus diesem Konflikt als Sieger hervorgegangen, regierte er fortan als Imperator.
Sein Nachfolger Augustus, der als erster Kaiser angesehen werden kann, stabilisierte das Reich politisch. Die Niederlage seiner Legionen im Teutoburger Wald konnte die Expansion des Imperiums nur vorübergehend aufhalten. Es erreichte seine größte Ausdehnung unter Kaiser Hadrian, der von 117 bis 138 herrschte. Während dieser Zeit erfolgte auch die Romanisierung von ganz Italien und einiger Kolonien. Das römische Bürgerrecht, früher auf die Stadt beschränkt, war nun großflächig gültig.
Derweil verschärften sich die Lebensbedingungen der Landbevölkerung dramatisch. Die Sklavenhaltung ging zurück, statt dessen etablierte sich die Latifundienwirtschaft. Die meisten Bauern waren als Kleinpächter von Großgrundbesitzern abhängig. Letztere kümmerten sich zumeist herzlich wenig um wirtschaftliche Belange der Pächter, sondern schöpften ein Maximum an Gewinnen ab, um ihren Konsum abzusichern. So wurden weite Teile der Bevölkerung dem Reich entfremdet. Der patriotischen Enthusiasmus der Republik und der frühen Kaiserzeit schwand bald dahin; die zwischen 235 und 285 herrschenden Soldatenkaiser waren immer öfter Angriffen von außen nicht gewachsen und konnten die Sicherheit der Bevölkerung (sowohl vor feindlichen Truppen aus auch vor Räuberbanden) nicht mehr garantieren. Es war eine Zeit allgemeiner Verarmung. |