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Geschichte von Italien: Vom Spanischen Erbfolgekrieg zum Wiener Kongress

Nach dem Tod des letzten habsburgischen Königs von Spanien entbrannte 1701 zwischen Österreich und Frankreich ein Krieg um die Erbfolge. Oberitalien wurde zeitweise in die Auseinandersetzungen hineingezogen, da sich dort noch immer französische Besitzungen befanden. Nach Kriegsende 1714 hatte Spanien seine Gebiete in Italien verloren, während Österreich im Norden die Vorherrschaft gewann. Nach Beendigung eines weiteren Erbfolgekrieges (1748) war Italien bis zum Einmarsch von Napoleon (1796) eine ungewöhnlich lange Friedenszeit vergönnt.
Napoleon, der sein Freiheitsversprechen an die Völker in Europa leider nicht einzulösen gewillt war, musste 1814/15 Italien aufgeben. Der anschließende Wiener Kongress ordnete auch Italien neu: Der Norden kam wieder unter österreichische Kontrolle, der Kirchenstaat, den Napoleon aufgelöst hatte, wurde wieder ins Leben gerufen, das Herzogtum Toskana wurde wiedererrichtet und Süditalien bildete fortan mit Sizilien ein Königreich.

Ein Nationalstaat entsteht

Als die Franzosen 1789 ihren König gestürzt hatten, begannen sie, ihr Land nicht mehr als Königreich, sondern als Nation zu definieren. Nicht mehr der gemeinsame Herrscher sollte Identität stiften, sondern die Sprach-, Kultur- und Informationsgemeinschaft. Diese Idee breitete sich bald in ganz Europa aus, und auch die Beschlüsse des Wiener Kongresses, die sehr auf Restauration früherer Verhältnisse bedacht waren, konnten solches Gedankengut nicht mehr eindämmen. Viele Italiener empfanden daher die österreichische Herrschaft im Norden ihres Landes als tiefe Schmach. Lange genug waren sie Spielball fremder Mächte gewesen. Jetzt war es Zeit für das Risorgimento, die Wiedererlangung italienischer Selbständigkeit. Weil derartige Ansichten und damit verbundene Absichten einen natürlich schnell hinter Gitter befördern konnten, bildeten sich Geheimbünde (besonders legendär: die Carbonari; auch die sizilianische Mafia soll aus einem solchen Geheimbund hervorgegangen sein). Guiseppe Mazzini, ein Publizist, gründete die Bewegung "Giovine Italia" (Junges Italien). Da sich das seit 1720 bestehende Königreich Piemont-Sardinien ebenfalls die nationale Einigung auf die Fahnen schrieb, waren die Erfolgsaussichten nicht schlecht.
Mental unterstützt durch eine breite Begeisterung in der Bevölkerung, zu der beispielsweise Giuseppe Verdi mit seinen von Freiheitsdrang geprägten Opern beitrug, führte Piemont-Sardinien in der Zeit von 1848 bis 1870 die Italienischen Unabhängigkeitskriege, deren erster schon nach einem Jahr zurückgeschlagen wurde, wodurch die Positionvon Papst Pius IX. in Rom vorübergehend gestärkt wurde - noch heute assoziiert man mit seinem Namen das Bild des erzreaktionären Machtmenschen.

1859 rang Piemont, diesmal von Frankreich unterstützt, Österreich weitgehende Gebiete ab. Die Lage spitzte sich zu, als Freiwilligenverbände unter Führung von Giuseppe Garibaldi im südlichen Königreich die Kontrolle übernahmen. Nun musste man in Piemont befürchten, dass zur nationalen Einigung auch noch die Errichtung einer Republik anstelle einer Monarchie kam. Und so eroberten piemontesische Truppen auch Teile von Mittelitalien, um die Verhandlungsposition ihres Königs Viktor Emanuel II. zu stärken. Die Rechnung ging auf - 1861 war er König über ganz Italien. Die Macht wurde dennoch einem Parlament übertragen.

Der österreichische Versuch, verlorene Gebiete zurückzuerobern, konnte 1866 abgewehrt werden. Als die Italiener 1870, nachdem die Franzosen wegen des beginnenden Krieges gegen Preußen ihre Schutztruppen abgezogen hatten, das gesamte Latium und damit auch den Kirchenstaat eingenommen hatten, erklärten sie Rom zur Hauptstadt. Nach dieser Niederlage, seiner schwersten, zog sich Papst Pius IX. in den Vatikan zurück, nicht ohne zu betonen, er sei dort ein Gefangener (ein Umstand, der ihn freilich nicht daran hinderte, sich selbst noch im selben Jahr per Dogma für unfehlbar erklären zu lassen). Die sogenannte Römische Frage, ob Rom nun italienisch sei oder Teil des Kirchenstaates, wurde erst 1929 durch Abschluss der Lateranverträge gelöst, welche dem Vatikan völkerrechtliche Eigenständigkeit garantierten.





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